Hauptsache Meckern – Xabi Alonso und die Ice-Bucket-Challenge

Der FC Bayern bestätigte auf seiner Homepage soeben, dass der Verein kurz vor der Verpflichtung von Xabi Alonso von Real Madrid steht. Der 32jährige wird zum Medizincheck in München erwartet. Nachdem er gestern bereits per Brief seinen Rücktritt aus der spanischen Nationalmannschaft angekündigt hat, könnte er heute seinen Abschied aus Madrid bekannt geben wird. Was das ganze mit der Ice Bucket Challenge zu tun hat? Die Reaktionen in Deutschland sind mittlerweile ähnlich.

“Bayern tauscht 24jährigen Superspieler gegen 32jährigen”, “Alonso ist zu alt und langsam”, “Bayern wird spanisch”, “deutsche Talente werden nicht mehr gefördert.” – das sind nur einige Auszüge aus den diversen Foren wie z.B. bei Spiegel Online. Was steckt aber wirklich hinter diesen Aussagen und Vorwürfen?

Der junge Kroos verlässt München – der alte Alonso humpelt an die Isar

Auf den ersten Blick erscheint es bedenklich, dass die Bayern mit Kroos einen Weltmeister ziehen ließen, und dafür als Ersatz einen Spieler verpflichten, der jenseits seines Zenits ist, und im Sommer mit Spanien kläglich in der Vorrunde scheiterte. Allerdings verbietet sich der Vergleich von Kroos und Alonso, da die Beiden ihre eigenen Spielweisen haben, und natürlich auch von den Leistungen ihrer Nebenleute abhängig sind.

Wie gut Xabi Alonso mit seinen 32 Jahren immer noch spielen kann, zeigte er im Frühjahr in den direkten Duellen gegen den FCB. Von Toni Kroos war in diesen Spielen wenig zu sehen. Die Bayern dürften  sich also kaum verschlechtert haben, wenn sie einen Spieler verpflichten, der sie im Mai noch besiegt hat und vom aktuellen Champions League Sieger kommt.

Bayern wird spanisch – deutsche Talente sind ohne Chance

Als die Verpflichtung von Pep Guardiola bekannt gegeben wurde, da war von vorne herein zu erwarten, dass der FC Bayern in Zukunft eher spanisch bzw. katalanisch geprägt sein würde. Es wäre auch fahrlässig, wenn das Insiderwissen von Guardiola und seinem Trainerstab nicht genutzt werden würde. Der Katalane kennt die spanische Liga aus dem FF und hat damit auch beste Voraussetzungen bei Transfers genau die Spieler zu verpflichten, die zu seinem System passen. Dieses Knowhow nicht zu nutzen wäre ein Fehler, nicht die Verpflichtung von spanischen Spielern!

Im Übrigen wurde der Spanier Javi Martinez im Sommer 2012 verpflichtet, als Jupp Heynckes noch Trainer bei den Bayern war, und Guardiola gerade in New York neue Kraft tankte.

Die Bayern reagieren mit der Verpflichtung von Mehdi Benatia und dem möglichen Transfer von Alonso auf die Ausfälle von Martinez, Thiago und Bastian Schweinsteiger. Ein Marokkaner und ein Spanier sollen zwei Spanier und einen deutschen Spieler ersetzen.

Im ersten Saisonspiel gegen den VFL Wolfsburg spielte Gianluca Gaudino und zeigte bei seinem Einstand in der Bundesliga eine hervorragende Leistung. Doch Gaudino ist eben auch erst 17 Jahre alt, und ihn jetzt schon als alleinigen Ersatz für die Spiele in drei Wettbewerben zu haben ist risikoreich. Vor ein paar Monaten kannten Gaudino und den jungen Lucas Scholl nur einige Experten. Plötzlich sollen die jungen Wilden gestandene Spieler ersetzen?

Die Bayern tun gut daran, auch weiterhin auf einen langsamen und kontinuierlichen Aufbau ihrer Talente setzen. Kommt Alonso für zwei Jahre, dann ist das genau der richtige Zeitraum um als Alternative für Schweinsteiger, Thiago und evtl. Martinez bereit zu stehen, aber den Nachwuchsspielern im Hintergrund nicht die Zukunft zu verbauen. Im Extremfall könnten  junge Spieler von einem Weltklasseakteur wie Alonso sogar etwas lernen.

Alternativen zu Alonso – Khedira, Gündogan, Kramer

Selbstverständlich hätten sich die Bayern auch mit einem deutschen Spieler verstärken können. Wie wären dann allerdings die Reaktionen gewesen? Und welche Alternativen gäbe es bei den deutschen Spielern?

Sami Khedira, gerade vom Kreuzbandriss genesen und eine lange WM in den Knochen als Alternative zu Bastian Schweinsteiger? Wie bei Bastian Schweinsteiger, steht hinter der Physis von Khedira ebenfalls ein großes Fragezeichen, und taktisch passt der ehemalige Stuttgarter wohl auch nicht ins Konzept von Guardiola.

Ilkay Gündogan aus Dortmund zu verpflichten, obwohl der seit knapp einem Jahr kein Spiel mehr gemacht hat, käme auch einer Wundertüte gleich. Zudem würde das “Verhältnis” zwischen Dortmund und München wohl endgültig den absoluten Tiefpunkt erreichen.

Bliebe z.B. noch Christoph Kramer aus Mönchengladbach. Mal davon abgesehen, dass es bei Kramer schon ohne Interesse der Bayern große Diskussionen um seinen Vertrag gibt, wäre der Aufschrei bei den Fans der anderen deutschen Vereine wieder groß. “Die Bayern schwächen immer die kleineren deutschen Vereine.”

Die Verpflichtung von Alonso verbaut also keinen internen oder externen deutschen Spielern den Weg in die Bayernmannschaft, sondern ist eine sinnvolle, marktgerechte Ergänzung des Kaders.

Xabi Alonso – ein Superstar für die Bundesliga

Mit Xabi Alonso käme ein absoluter Superstar aus Spanien in die Bundesliga. Das Signal an andere Ligen wäre deutlich. Der deutsche Meister verpflichtet einen wichtigen Spieler des Champions League-Gewinners.

Als Raul zum FC Schalke 04 kam, war das Echo international groß. Ruud van Nistelrooy war nur kurze Zeit beim Hamburger SV, aber die Aufmerksamkeit in Europa war den Hanseaten gewiss. Die Verpflichtung des Torschützenkönigs der italienischen Liga durch Borussia Dortmund ist ein tolles Zeichen für die Stellung der Bundesliga gegenüber der Serie A. Warum freut sich die Bundesliga also nicht einfach über den (möglichen) Transfer von Alonso zum FC Bayern München? Ist es nur der übliche Bayernhass, der bei vielen “Fans” der anderen Vereine, noch vor der “Liebe” für den eigenen Club steht?

Typisch deutsch? – Meckern über Alonso und die Ice-Bucket-Challenge

Jetzt kommt die Ice-Bucket-Challenge ins Spiel. Ein Phänomen das in den letzten Wochen, im wahrsten Sinne des Wortes aus den USA nach Deutschland herüberschwappte. Mittlerweile wird diese lustige Aktion hierzulande eher kritisch gesehen. Da ist von unnötiger Selbstdarstellung und Wasserverschwendung die Rede. Verwunderlich, dass noch nicht intensiver über den Energieverbrauch bei der Herstellung der Eiswürfel diskutiert wird.

Die Tatsache, dass mit der Ice-Bucket-Challenge auf eine Krankheit aufmerksam gemacht wird und das Spenden gesammelt werden, fällt fast unter den Tisch. Wer nicht möchte, der kann Spenden ohne sich Eiswasser über den Kopf zu schütten. Wer es nicht mag soll es lassen. Wobei dem einen oder anderen eine Abkühlung, auch beim Thema Alonso, vielleicht auch gut tun würde!

Manchmal sollten die Deutschen Dinge einfach nur genießen, Spaß haben und nicht alles so ernst nehmen. #Gauchogate ist keine zwei Monate her…

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