NHL Playoffs 2017 – Washington Capitals vs. Toronto Maple Leafs

NHL Playoffs 2017 – Washington Capitals vs. Toronto Maple Leafs

Unter Druck gegen unbekümmert

Die Toronto Maple Leafs kämpften lange um den Einzug in die Playoffs, während Washington seit Mitte Januar immer in der Nähe der Tabellenspitze der Liga lag. Washington gewann zwei der drei direkten Vergleiche in diesem Jahr, einen davon erst nach Verlängerung. Das Torverhältnis betrug 12:10. Obwohl die Capitals seit 1974 in der NHL spielen, ist die Serie gegen das Original Six Team aus Toronto eine Premiere. In den Playoffs begegneten sich diese beiden Mannschaften noch nie.

Kein Finale, kein Erfolg

„So überragend die Saison war, in den kommenden Wochen und Monaten müssen die Capitals endlich auch in der Endrunde Leistung zeigen. 1998 schaffte es Washington letztmals mehr als die erste Runde der Playoffs zu gewinnen. Auch Trainer Barry Trotz erreichte noch nie ein Conference Finale. Dementsprechend viel steht für die Capitals auf dem Spiel.“ Diese Sätze stammen aus der Vorschau auf die erste Playoffrunde im letzten Jahr. Gültig sind sie auch 2017. Erneut sicherten sich die Capitals mit 55 Siegen und 118 Punkten die Presidents Trophy und damit das durchgehende Heimrecht in den Playoffs. Die Offensive Washingtons war mit 263 Treffern die drittbeste der NHL. In der Defensive stellten die Capitals mit nur 182 Gegentoren sogar auf die beste Verteidigung der gesamten Liga.

Überrollt Washington die Maple Leafs? - Screenshot Copyright Sport1 US HD

Überrollt Washington die Maple Leafs? – Screenshot Copyright Sport1 US HD

Hauptverantwortlich dafür ist Torwart Braden Holtby. In seiner siebten Saison unterbot der Kanadier sogar die Zahlen aus 2015/16, als er die Vezina Trophy gewinnen konnte. Eine Fangquote von 92,5 % und der Gegentorschnitt von 2,07 sind persönliche Bestwerte für eine komplette Saison, und platzieren Holtby in beiden Kategorien in den Top5 der NHL. Dazu war Braden Holtby mit 42 Erfolgen in 63 Partien erneut der Torhüter mit den meisten Siegen. Holtby hat allerdings auch den Vorteil, dass vor ihm die vielleicht ausgeglichenste Verteidigung der National Hockey League agiert. Zwar spielen John Carlson und Matt Niskanen beide mehr als 22 Minuten pro Spiel, aber das ist kein Vergleich zu den anderen Top-Verteidigern[1]. Der vor der Trade-Deadline verpflichtete Kevin Shattenkirk, Dimitri Orlov und die Veteranen Karl Alzner und Brooks Orpik vervollständigen drei sehr gute Verteidigerpaare. Einzig Schwachpunkt der Abwehr könnte die mangelnde Hilfe für die eigene Offensive sein. Kein Verteidiger erzielt mehr als zehn Tore, wobei Shattenkirk auch erst 19 Spiele bei den Capitals machte.

Die mangelnde offensive Produktion der Abwehrspieler hat in der regulären Saison aber keine Auswirkungen gehabt. Auch in der Offensive verfügt Barry Trotz über einen großen Pool an talentierten und gefährlichen Spielern. Elf Akteure konnten eine zweistellige Trefferzahl für sich verbuchen. Alex Ovechkin war mit 33 Toren erneut der Topscorer seiner Mannschaft, aber seine Serie von 50 oder mehr Treffern in einer Saison riss nach drei Jahren. Washington ist aber längst nicht mehr so abhängig vom russischen Flügelstürmer wie noch in den Jahren zuvor. Topscorer war in dieser Spielzeit Niklas Backstrom mit 86 Punkten und 23 Toren. T.J. Oshie spielte seine erfolgreichste Saison und traf wie Ovechkin 33 Mal. Außerdem konnten Marcus Johansson und Justin Williams auch mehr als 20 Treffer auf ihrem Konto gutschreiben. Auch die Special Teams sind erneut an der Spitze der Liga zu finden. Das Überzahlspiel von 23,1 % reichte für Platz vier in dieser Kategorie und 83,8 % Unterzahlspiel sind immerhin der siebtbeste Wert der Liga.

Die Ausgeglichenheit könnte 2017 der Schlüssel zum Erfolg der Capitals in den Playoffs sein. Für die Hauptstädter kann diese Saison nur als Erfolg bezeichnet werden, wenn mindestens das Finale in der Eastern Conference erreicht wird. Dementsprechend groß wird der Druck in Washington sein. Diese Situation kennen Ovechkin & Co. aus den Vorjahren. Wie sie damit umgehen, wird auch über die Zusammensetzung des Kaders im Sommer entscheiden.

Der Deutsche: Philipp Grubauer

Auch bei Philipp Grubauer hätte der Text aus dem Vorjahr an diese Stelle kopiert werden können. Grubauer ist der klare Backup und wird nur zwischen den Pfosten stehen, wenn Holtby verletzt ist, oder vollkommen außer Form. Jedoch könnte der Rosenheimer bei einem Einsatz in den diesjährigen Playoffs unter ganz besondere Beobachtung stehen. Fast alle Mock Drafts im Hinblick auf den Expansion Draft der neuen Franchise aus Las Vegas sahen Grubauer ab Juli in der Wüste von Nevada. Die Playoffs 2017 könnten dementsprechend die Abschiedsvorstellung von Grubauer nach fünf Jahren in der amerikanischen Hauptstadt sein. Als Gewinner des Stanley Cup hätte Holtby bei den Vegas Knights gute Karten für den Job als Stammtorwart.

Die Rasselbande

Nicht weniger als neun Rookies setzten die Toronto Maple Leafs in dieser Spielzeit ein. Immerhin sechs davon spielten mehr als 77 Partien für Toronto. Aus der Masse an talentierten Nachwuchsspieler ragte am Ende Auston Matthews heraus. Der 19jährige war mit 40 Toren der erfolgreichste Torjäger seines Teams und stellte damit einen neuen Vereinsrekord für einen Rookie auf. Seine jungen Kollegen William Nylander und Connor Brown erzielten immerhin noch mehr als 20 Tore. Mitch Marner kam nur auf 19 Treffer, gab aber dafür 42 Vorlagen. Neben den Neulingen überzeugten auch Nazem Kadri (32 Tore) und James van Riemsdyk (29 Tore), die mit 26 bzw. 27 Jahren allerdings schon zur alten Garde am Ontariosee zu rechnen sind. 251 Treffer insgesamt bedeuten für die Maple Leafs den fünften Platz in der Offensive. Das Überzahlspiel ist mit 23,8 % sogar das Beste aller Mannschaften, die sich für die Playoffs qualifizieren konnten.

Auston Matthews, Rookie of the year? - Screenshot Copyright Sport1 US HD

Auston Matthews, Rookie of the year? – Screenshot Copyright Sport1 US HD

Wie bei einem sehr jungen Team zu erwarten, liegen die Probleme der Maple Leafs eher in der Defensive. Kein Playoffteam kassiert mehr, als die 242 Gegentore von Toronto. Die Zahlen von Torhüter Frederik Andersen sind auf den ersten Blick mit 91,8 % Fangquote und 2,67 Gegentoren pro Partie noch akzeptabel. Allerdings schönt dabei vor allem der überragende Dezember die Werte, denn in vier von sieben Monaten kassierte Andersen mehr als drei Treffer im Durchschnitt pro Spiel.

Vor Andersen agiert eine Abwehr, die über keinerlei namhafte Akteure verfügt. Das erste Verteidigerpaar Jake Gardiner und Morgan Rielly kann auf acht Jahre NHL verweisen, im Vergleich zu anderen Topduos ein fast lächerlicher Wert. Dazu kommt, dass sich Nikita Zaitsev und Roman Polak im abschließenden Saisonspiel gegen Columbus verletzen. Die ohnehin dünne Personaldecke in der Abwehr könnte weiter strapaziert werden. Vor allem bei fünf gegen fünf hat Toronto Probleme mit dem Toreverhindern, denn die Unterzahlquote von 82,5 % reicht immerhin noch für die Top Ten der National Hockey League.

Was den Maple Leafs auf dem Eis an Erfahrung fehlt, das kann Trainer Mike Babcock hinter der Bande teilweise kompensieren. Der 53jährige konnte dreimal das Stanley Cup Finale erreichen und gewann 2008 die Meisterschaft mit den Red Wings. Auch in Toronto zeigte er bisher sein ganzes Können und führte die Mannschaft bereits in seiner zweiten Saison als Cheftrainer zurück in die Playoffs. Ob Babcock jedoch das frühe Ausscheiden in der Endrunde verhindern kann, ist äußerst fraglich.

Tipp: Die Capitals sind genau der Gegner, auf den die Maple Leafs nicht treffen durften – eine Spitzenmannschaft in Bestform. Die Offensive der Capitals ist zu gut, die Defensive der Leafs zu durchschnittlich, und das Duell auf der Torhüterposition zu ungleich. Mit viel Glück reicht es für einen Sieg, aber auch ein Sweep mit hohen Siegen für Washington ist möglich. Toronto wird viel Lehrgeld in dieser Serie bezahlen. Die Capitals gewinnen in fünf Spielen.

[1] Carlson liegt mit 22:42 Minuten auf Rang 36 der NHL.

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