NHL Playoffs 2018 – Runde 1 – Tampa Bay Lightning vs. New Jersey Devils

NHL Playoffs 2018 – Runde 1 – Tampa Bay Lightning vs. New Jersey Devils

Die Rückkehrer

Wie konnten sie soweit kommen?

Tampa Bay war lange Zeit das dominierende Team der Eastern Conference und zeitweise auch der gesamten Liga. Gegen Ende der regulären Saison schwächelten die Lightning aber. Am Ende reichte es auch dank der Schützenhilfe des Nachbarn aus Florida trotzdem für Rang eins in der Atlantic Division und im Osten. Nach dem Verpassen der Playoffs im Vorjahr in einer durch Verletzungen geprägten Saison 2017/18 kehrt der Finalteilnehmer von 2015 also wieder in die Endrunde zurück.

Bei der letzten Playoffteilnahme erreichten die New Jersey Devils ebenfalls das Finale. Allerdings war das in der Spielzeit 2011/12. Vor dieser Saison trauten nicht viele Experten der Mannschaft von Trainer John Hynes den Einzug in die Playoffs zu. Doch die Devils waren vor allem in der ersten Saisonhälfte gut unterwegs. Letztlich reichten 97 Punkte am Ende ganz knapp für die zweite Wildcard in der Eastern Conference. Die Punktzahl bedeutet allerdings einen Verbesserung um 27 Zähler im Vergleich zur Vorsaison.

Wie gut kennen sich die Teams?

In der Geschichte der NHL gab es bisher zwei Serien zwischen Tampa und New Jersey. 2003 und 2007 setzte sich das Team von der Westseite des Hudson Rivers durch.

Auch in der Hauptrunde gewannen die Teufel alle drei Vergleich, aber nie mit mehr als einem Tor Unterschied und einmal nur im Penaltyschießen. Das Torverhältnis war 11:8.

Was wird wichtig?

Ein Blick auf die Kader beider Teams verdeutlicht die klare Favoritenstellung der Lightning im Duell eins gegen acht. Tampa Bay hat ein offensiv wie defensiv sowohl qualitativ, als auch quantitativ sehr gut besetztes Roster. Die Bolts können es sich leisten Chris Kunitz, der im Sommer vom zweifachen Champion aus Pitttsburgh an den Golf von Mexiko wechselte, in der vierten Reihe einzusetzen, weil die ersten drei Kombinationen sehr gut besetzt sind. Auf Center hat sich Braden Point in seinem zweiten Jahr enorm weiterentwickelt, und bietet damit eine gute Alternative zur ersten Reihe um Steven Stamkos. Das Niveau der Verteidigung reicht spätestens seit dem Wechsel vom ehemaligen Rangers-Kapitän Ryan McDonagh an Ligaprimus Nashville heran.

Die Devils sind im Vergleich zum Gegner in der Auftaktrunde sehr abhängig von der ersten Reihe. Taylor Hall ist den Schritt zum echten Führungsspieler gegangen und der unumstrittene Star in New Jersey. Zusammen mit dem Schweizer Nummereinspick Nico Hischier und Kyle Palmieri gehört die erste Reihe zu den besten in der NHL. Allerdings sinkt das Niveau hinter der Topreihe doch rapide ab. Auch die Verteidigung ist nicht prominent besetzt, sondern lebt mehr von der mannschaftlichen Geschlossenheit, als von der individuellen Klasse.

Wer macht die Tore?

Nicht der ehemalige 60-Tor-Stürmer Stamkos, sondern sein rechter Flügel Nikita Kucherov war mit 39 Treffern erfolgreichster Torjäger in Tampa. Wie das Team, kühlte Kucherov aber nach 26 Toren in der ersten Saisonhälfte, gegen Ende der Spielzeit merklich ab. Bereits erwähnter Brayden Point war als Sophomore mit 32 Toren der zweitbeste Bolt. Stamkos, Yanni Gourde, Tylor Johnson und Vladislav Namestnikov erzielten jeweils 20 oder mehr Tore. Dahinter folgen noch fünf andere Spieler mit +10 Treffern.  Victor Hedman unterstütze dabei als Verteidiger die Offensive mit 17 Toren. J.T. Miller, der eher als Zugabe im Trade von McDonagh nach Florida wechselte, traf in 19 Einsätzen zehnmal.

Hall erzielte wie Kucherov ebenfalls 39 Tore. Hischier und Palmieri trafen 24 bzw. 20-fach. Danach gelangen keinem Spieler mehr als 20 Tore, aber immerhin waren sieben Akteure zweistellig treffsicher. Kein Verteidiger der Devils konnte zehn oder mehr Tore erzielen, sicherlich eine der Schwachstellen im Vergleich zu Tampa Bay.

Wer hält die Pucks?

Andrei Vasilevskiy war zu Anfang der Saison nicht nur der heißeste Kandidat auf die Vezina Trophy für den besten Torhüter der Liga, sondern wurde auch immer wieder in der Liste der Spieler genannt, die für die Auszeichnung als MVP in Frage kommen könnten. Mit 44 Siegen konnte der 23-jährige Russe zum Saisonende auch einen neuen Vereinsrekord aufstellen. Dennoch waren die Leistungen gegen Saisonende wesentlich durchwachsener. Vor allem im März konnte Vasilevsky nicht überzeugen, und hatte einen Gegentorschnitt von 4,14 pro Partie. In der Serie gegen die eher offensivschwachen Devils muss Vasilevsky sich wieder in Form spielen, denn in den späteren Playoffrunden werden die Lightning einen Torwart in Bestform benötigen.

Ins Tor von New Jersey spielte sich vor den Playoffs überraschenderweise Keith Kinkaid. Der 28-jährige verfügt zwar über weniger Erfahrung als die etatmäßige Nummer eins Corey Schneider (110 Spiele gegenüber 370, dazu spielte Schneider bereits Playoffs mit Vancouver), aber Kinkaids Leistungskurve zeigte die bessere Entwicklung. Werte von 91,3 % Fangquote und 2,72 Gegentore pro Spiel sind solide. Auswärts in Tampa dürfte Kinkaid aber direkt unter Beschuss stehen. Sollte er schwächeln, dann ist ein schneller Torwartwechsel auf jeden Fall möglich.

Überzahl oder Unterzahl?

Beim Blick auf die Special Teams gibt es einige Überraschungen. Tampa hat mit 23,9 Prozent (Platz 3 der Liga) erwartungsgemäß das bessere Überzahlspiel. Das Powerplay der Devils muss sich mit 21,4 % Erfolgsquote (10) aber auch nicht verstecken.

In Unterzahl ist New Jersey sogar deutlich besser. 81,8 % Penalty Killing sind ein guter Wert (8). Mit nur 76,1 % Unterzahlquote (28) ist Tampa dagegen eine der schlechtesten Mannschaften der Liga. Nur die Flyers sind ein Playoffteam mit einem noch schlechteren Penalty Killing.

In der regulären Saison saßen beide Mannschaften ähnlich häufig auf der Strafbank. Tampa  9,18 Minuten, New Jersey 8,46.

Zuhause oder Auswärts?

29 Heimsiege für die Lightning bedeuten zusammen mit Toronto die zweitmeisten der Eastern Conference nach den Pittsburgh Penguins (30). Die Teufel rangieren mit nur 23 Erfolgen in der Liga lediglich auf Platz 17 bei den Heimbilanzen. Von den erwähnten drei Siegen in der Hauptrunde konnte New Jersey aber zwei im heimischen Prudential Center feiern.

Tampa sammelte zusammen mit Nashville die meisten Auswärtssiege der NHL (25). New Jerseys Bilanz in fremder Halle ist mit 21-15-5 durchaus respektabel (10).

Wer gibt die Anweisungen?

Jon Cooper ist in seiner sechsten Spielzeit in Tampa. In jeder kompletten Saison konnte seine Mannschaft mindestens 42 Siege erspielen. Zudem erreichte er bei drei Playoffteilnahmen immerhin einmal das Conference Finale und einmal das Stanley Cup Finale. Trotz eines Erstrundenaus durch einen Sweep 2014 ist die Playoffbilanz mit 25-22 Siegen positiv. Cooper sitzt fest auf seinem Trainerstuhl, darf sich aber auch kein vorzeitiges Saisonende gegen einen Underdog leisten.

Auf der Gegenseite steht John Hynes vor seinem persönlichen Debut in der Endrunde der NHL. Seit 2015 ist der 43-jährige sportlich verantwortlich bei den Devils. In diesem Jahr gelang der Turnaround nach nur 28 Siegen in der Spielzeit 2016/17. Hynes ist einer der Hauptverantwortlichen für die Entwicklung der jungen Spieler in New Jersey und wird vollkommen unabhängig vom Ergebnis in den Playoffs auch im nächsten Jahr der Cheftrainer sein.

Wer spricht deutsch?

Der Österreicher Michael Grabner überquerte zur Trade Deadline den Hudson River und wechselte von den Rangers zu den Devils – ein Tausch zwischen den Lokalrivalen, der nebenbei vor Jahren noch in die Kategorie undenkbar gefallen wäre. Trotz annährend gleichbleibender Spielzeit, traf der Villacher für seinen neuen Club aber bisher nicht wie erhofft. Nach 25 Tore in 59 Spielen für New York, gelangen Grabner magere zwei Treffer in 21 Partien in New Jersey. Der Flügelstürmer ist einer der Spieler bei den Teufeln, die über sich hinauswachsen müssen, damit eine Chance auf die große Überraschung besteht.

Wie geht es aus?

Die Paarung zwischen Tampa und New Jersey ist vielleicht die einseitigste der kompletten ersten Runde. Wenig spricht dafür, dass den Devils mehr als ein Achtungserfolg gelingen könnte. Zu breit und gut ist Tampa besetzt, zu groß ist der Erfahrungsunterschied zwischen den Teams auf und neben dem Eis. Für das junge Team von New Jersey ist diese Serie eine Gelegenheit erste Erfahrungen in den Playoffs zu sammeln. Viele Erfahrungen werden es nicht werden. Tampa Bay siegt in fünf Spielen.

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