NHL Playoffs 2018 – Runde 1 – Winnipeg Jets vs. Minnesota Wild 

NHL Playoffs 2018 – Runde 1 – Winnipeg Jets vs. Minnesota Wild 

Grenzgänger

Wie konnten sie soweit kommen?

Nachdem die Winnipeg Jets 2016/17 die Playoffs verpassten, verbesserte sich die Mannschaft auf der kanadischen Provinz Manitoba um satte 27 Punkte auf 114. Das reichte in der Central Division für den zweiten Platz hinter den Predators. Seit dem Umzug aus Atlanta 2011 konnte die neue Franchise der Jets leidglich einmal die Playoffs erreichen. Der Verein hat zudem noch nie ein Spiel in den Playoffs gewinnen können.

Der Rivale aus dem Bundesstaat südlich der Grenze landete einen Platz hinter den Jets. Die Wild hatten mit 101 Punkten fünf weniger als im Vorjahr.

Wie gut kennen sich die Teams?

Wie oben erwähnt, haben die Jets bisher nur eine Playoffserie absolviert. 2015 war bereits nach vier Spielen gegen Anaheim die Sommerpause angebrochen. Einen Vergleich mit Minnesota gab es dementsprechend noch nie.

Drei der vier Hauptrundenspiele gewann Winnipeg. Das letzte Spiel ging an die Wild, fand aber bereits im Januar statt. Winnipeg schoß 14 Tore in den Begegnungen, Minnesota zehn.

Was wird wichtig?

Die diesjährige Situation ist vollkommen neu für die Winnipeg Jets. Bereits in den Vorjahren erhoffte sich das anspruchsvolle Publikum eine deutliche Leistungsverbesserung, musste jedoch bis zu dieser Saison auf den Entwicklungssprung warten. Gute Leistungen in der regulären Saison zu bringen ist aber eine Sache, die Playoffs eine ganz andere. Zwar verfügen die Jets z.B. mit Dustin Byfuglien über einen Spieler der bereits den Stanley Cup gewinnen konnte, doch der Kern des Kaders hat noch keine nennenswerten Playofferfahrungen. Für Kapitän Blake Wheeler, Patrick Laine, Nikolaj Ehlers, Mark Scheifele und Co wird diese Endrunde zur echten Reifeprüfung. Minnesota könnte für diese Bewährungsprobe aber genau der richtige Gegner sein. Zudem verstärkte sich Winnipeg vor der Trade Deadline mit Paul Stastny noch sehr gut. Auf Center sind die Jets vielleicht das bestbesetzte Team in der Western Conference.

Im Staat der zehntausend Seen ist Eishockey ähnlich populär und wichtig wie beim nördlichen Nachbarn. Obwohl Minnesota seit 2013 immer die Playoffs erreichte, ist die vorzuweisende Bilanz wenig beeindruckend. Lediglich Zwei von sieben Playoffserien gewannen die Wild. Dazu kommt der schlechte Ruf von Coach Bruce Boudreau in den Playoffs (siehe unten). Nachdem die Wild im Vorjahr den Kader vor der Trade Deadline mächtig veränderten, war diese Saison eher ruhig. Trotzdem fehlt irgendeine Komponente zum wirklichen Spitzenteam. Minnesota ist gut, aber nicht beeindruckend oder gar angsteinflößend. Eric Staal spielte ein tolles Jahr, hat aber seine besten Tage hinter sich. Zach Parise ist nicht der Heilsbringer und Go-To-Guy den sich die Fans bei der Rückkehr des Lokalhelden erhofft hatten. Dazu fällt Verteidiger Ryan Suter mit einem Knöchelbruch kurz vor Saisonende definitiv für die kompletten Playoffs aus. Der 33-jährige „Ironman“ hatte nach Drew Doughty von den Los Angeles Kings mit durchschnittlich 26:46 Minuten die zweitmeiste Spielzeit der NHL. Vielleicht hilft den Wild aber auch, dass in dieser Saison wenige Experten mit einem Weiterkommen der Mannschaft rechnen. Der Druck liegt bei Winnipeg.

Wer macht die Tore?

Patrick Laine ist besser als Wayne Gretzky, Sidney Crosby und Jaromir Jagr. Der 19-jährige Finne liegt vor diesen Größen des Sports in der Kategorie „Tore im Teenageralter“. Bereits 80 Treffer konnte Laine vor seinem 20. Geburtstag erzielen. Das ist in der Geschichte der NHL immerhin der drittbeste Wert. 44 Tore waren es für den Flügelstürmer in seiner zweiten Spielzeit. Kyle Connor spielte ebenfalls eine sehr gute zweite Saison und traf 31 Mal. Dazu konnten Ehlers, Wheeler und Scheifele mehr als 20 Tore beisteuern. Obwohl drei weitere Spieler zweistellig trafen, ist die Offensive der Jets ein wenig „topheavy“. Dazu war kein Verteidiger in der Lage mehr als neunmal ins gegnerische Netz zu treffen. Trotzdem stellt Winnipeg mit 273 Toren die zweitbeste Offensive der NHL hinter den Lightning.

Bei den Wild war Eric Staal der alles überragende Torjäger. Ähnlich viele Treffer wie die 42 Tore aus dieser Hauptrunde erzielte der 33-jährige Center zuletzt 2008/09 für die Carolina Hurricanes. Jason Zucker gelang mit 33 Toren ein neuer persönlicher Bestwert. Hinter den beiden genannten Spielern dünnt die Durchschlagskraft der jedoch schnell aus. Mikael Granlund erzielt 21 Treffer, weitere sechs Akteure trafen zweistellig, dabei mit Matt Dumba auch ein Verteidiger. 250 Tore insgesamt platzieren die Wild auf Platz 11 der Liga an der Grenze zum oberen Drittel.

Wer hält die Pucks ?

Als Lösung für die Torwartposition wurde im Sommer Steve Mason von den Jets unter Vertrag genommen. Die Stelle als Nummer eins hatte der 29-jährige allerdings nicht lange inne. Ab November fehlte Mason mehrfach wegen einer Gehirnerschütterung und später wegen Knieproblemen. Connor Hellebuyck, eigentlich als Backup eingeplant, nutze die Chance und spielte sich im Tor fest. 67 Spiele bestritt der 24-jährige, gewann davon 44 Partien und ist mit einem Gegentorschnitt von 2,36 und einer Fangquote von 92,4 % ein heißer Kandidat auf die Vezina Trophy für den besten Torwart der Liga. Wie viele seiner Feldspieler, hat aber auch Hellebuyck keinerlei Erfahrungen in den Playoffs. Ob er mit Rückschlägen und unglücklichen Gegentoren in Drucksituationen umgehen kann, wird eine der Fragen sein, die die Jets in diesen Playoffs klären müssen. Es bleiben aber Zweifel, ob Minnesota die Mannschaft sein wird, die Connor Hellebuyck auf Herz und Nieren prüfen wird. Die Wild verzeichneten mit 30,2 Torschüssen pro Spiel (Platz 27 der Liga) vergleichsweise wenige Versuche aufs gegnerische Tor ab.

Im eigenen Tor steht bei den Wild erneut Devan Dubnyk. Seit mittlerweile drei Jahren ist der Kanadier die Nummer eins in den Twin Cities. Auch Dubynk spielte eine solide Saison, fing 91,8 % der gegnerischen Torschüsse und kassierte 2,52 Tore pro Partie. Vorteil im direkten Vergleich der Torhüter ist, dass Dubnyk bereits 21 Spiele in den Playoffs absolviert hat. Dabei gewann er aber auch nur 1/3 der Partien.

Keiner der beiden Torhüter wirkt auf den ersten Blick wie ein Kandidat für eine ganz heiße Endrunde. Im Angesicht der Offensivstärke der Wild wird aber Dubnyk derjenige sein müssen, der seiner Mannschaft das eine oder andere Spiel „klaut“.

Überzahl oder Unterzahl?

Die Zahlen in dieser Rubrik sprechen eindeutig für Winnipeg. 23,4 % Powerplay bedeuten Platz 5 in der National Hockey League, 81,8 % Penalty Killing reichen für Rang 8. Die Wild haben mit 20,4 % Erfolgsquote i  Überzahl (18.) und 81,3 % mit weniger Spielern auf dem Eis (13.) nur durchschnittliche Werte zu bieten. Beide Teams unterscheiden sich kaum in der Anzahl der Strafen. Hier sitzen die Jets mit 8,5 Minuten etwas öfter auf der Strafbank als die

Zuhause oder Auswärts?

Winnipeg ist die beste Heimmanschaft der NHL. 32 Siege sind der Topwert, nur Pittsburgh gelangen ebenfalls noch 30 Erfolge auf eigenem Eis. Auch auswärts zeigten die Jets mit 20-13-8 ihr Potenzial.

Auch Minnesota ist im heimischen Xcel Energy Center mit 27-6-8 eine Macht. Sobald es aber in eine der anderen Hallen der NHL geht, bekommen die Wild Probleme. 18 Siegen stehen 20 Niederlagen nach regulärer und drei weitere nach Verlängerung oder Penaltyschießen gegenüber.

Wer gibt die Anweisungen?

Bruce Boudreau erreicht in dieser Saison als zweitschnellster Trainer 500 Siege in der regulären Saison (hinter Scottie Bowman).  Das zeigt die Stärke von Bowman. Er ist ein sehr guter Coach in der Hauptrunde und kann seine Mannschaft über 82 Spiele passend zum Gegner einstellen. Das war aber schon vor dieser Spielzeit bekannt. Ebenfalls weitverbreitet ist die Erkenntnis, dass Boudreau Probleme in den Playoffs bekommt. In Washington und Anaheim verabschiedeten sich seine Teams regelmäßig früher als erwartet und erhofft aus der Endrunde. Der größte Erfolg von Boudreau war das Erreichen des Finales der Western Conference 2015 mit Anaheim.

Auch Paul Maurice hat in der regulären Saison mehr als 500 Siege mit seinen Mannschaften gefeiert. Zudem gelang ihm 2002 mit den Carolina Hurricanes der Einzug ins Stanley Cup Finale. Allerdings erreichte Maurice auch nur in fünf seiner 19 Jahre als Cheftrainer die Playoffs. Im direkten Vergleich hat Boudreau mit 42-43 Siegen nicht nur die bessere Bilanz als Maurice mit 25-32, er hat auch ein gutes Stück mehr Erfahrung. Dennoch scheint es von außen, als warten die Mannschaften von Boudreau in den Playoffs nur auf den unvermeidlichen Kollaps. Beide Coaches stehen in diesem Jahr extrem unter Druck, denn für beide könnte bei einem frühen Saisonaus auch die Zeit beim jeweiligen Arbeitgeber enden.

Wie geht es aus?

Winnipeg ist offensiv wie defensiv in den Top 5 der NHL zu finden. Dazu haben die Jets den Heimvorteil und das jüngere und schnellere Team. Einzig wenn der Druck nach einer Niederlage in einem der beiden ersten Heimspiele zu groß für Trainer Paul Maurice oder seine Mannschaft wird, und Winnipeg einfache Fehler begeht, haben die Minnesota Wild eine Chance auf eine lange Serie und sogar die zweite Runde. Ob aber ausgerechnet Bruce Boudreau in den Playoffs das richtige Matchup gegen die Jets findet mehr als fraglich. Winnipeg siegt in fünf Spielen.

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