Runtastic vs. Garmin – Zufälliger Vergleichstest mit erschreckendem Ergebnis.

Runtastic vs. Garmin – Zufälliger Vergleichstest mit erschreckendem Ergebnis.

Letzten Montagabend war es mal wieder soweit. Kaum stand ich vor der Haustür und hatte meinen Forerunner angeschaltet, da blinkte auch schon die Anzeige auf: „Akku schwach“. Ärgerlich, aber ich hatte wohl nach dem letzten Lauf die Uhr angelassen, oder der Akku war sowieso schon vorher relativ leer gewesen. Wie dem auch sei, alles kein Problem. Schließlich hatte ich mein Smartphone sowieso als MP3-Player dabei.

Neben der Musikfunktion nutze ich in Ausnahmefällen auch die App Runtastic. Eben genau in den seltenen Situationen, in denen der Akku meiner Laufuhr alle ist. Also schnell GPS angestellt, und die App gestartet. Außerdem habe ich noch schnell an den Einstellungen gebastelt. Alle 5 Minuten bzw. nach jedem Kilometer wollte ich eine kurze Info von Runtastic haben.

So ging es los auf meine Trainingsrunde. 15 Kilometer waren geplant. Dabei wollte ich immer abwechselnd 5, bzw. 6 Minuten für jeden Kilometer brauchen, ein kleines Wechseltraining eben. Die Laufuhr war zwar weiterhin angeschaltet, aber normalerweise hält der Akku nach der Warnmeldung höchstens noch 2-3 Kilometer.

 

Akku hält – Runtastic irritiert

Dementsprechend überrascht war ich, als auch nach vier Kilometern der Forerunner noch immer seinen Dienst verrichtete. Vielleicht hielt die Energie auch noch länger, da ich aufgrund meiner Stirnlampe genug Licht zur Verfügung hatte. Deshalb muss ich nicht auf einer der Tasten drücken, um die interne Beleuchtung der Laufuhr anzuschalten.

Während Garmin also zuverlässig arbeitete, irritierten mich die Ansagen der digitalen Stimme von Runtastic zunehmend. Bereits nach vier Kilometern wich die Distanz im Vergleich zum Forerunner um ca.150 Meter ab. Da ich auf meiner Hausstrecke unterwegs war, wusste ich auch genau, dass die Kilometerangaben der Uhr stimmten. Ich führte die Ungenauigkeit zu diesem Zeitpunkt noch darauf zurück, dass zu Beginn des Laufs vermutlich noch kein perfekter Empfang vorhanden war. Die Satelliten müssen ja erst einmal gefunden werden. Der Forerunner hatte die kosmischen Ortungshelfer dagegen noch im Speicher vom Vortag, und war somit direkt am Start klar im Vorteil. Ich erwartete, dass die Abweichung auf dem Rest der Strecke nicht viel größer werden würde.

 

Runtastic hat anscheinend Probleme bei wechselndem Tempo.

Runtastic hat anscheinend Probleme bei wechselndem Tempo.

Tempowechsel funktionieren, die App offensichtlich nicht.

Natürlich war ich sehr froh, dass die Laufuhr weiter funktionierte. Speziell bei den Tempowechseln ist es sehr bequem, wenn direkt zu Beginn eines Kilometers die aktuelle Geschwindigkeit bekannt ist. So vermeide ich es als Läufer die nächsten 1000 Meter zu schnell oder zu langsam anzugehen. Die App teilte mir zwar immer die Daten für den letzten gelaufenen Kilometer mit (Gesamtdistanz, Kilometerzeit, Gesamtzeit), bei einem Wechsellauf ist das aber nur bedingt nützlich.

Bei jedem weiteren Kilometer wurde mein Respekt für den tapferen Akku größer, und das Entsetzen über die moderne Smartphone-Software ebenfalls. Es handelte sich bei der Messungenauigkeit offensichtlich nicht um ein Startproblem. Nach 10 Kilometern teilte mir die digitale Dame eine Streckenlänge von 9,6 Kilometern mit.

 

Mit Garmin zuhause, lt. Smartphone noch nicht

Zwei Überraschungen hatte dieser Trainingstag am Ende für mich. Der Forerunner schaffte es sogar, die kompletten 15 Kilometer durchzuhalten. Anscheinend war der Ladestand beim Anschalten wirklich gerade erst in den Warnbereich gesunken. Ich konnte also die gesamte Distanz mit meiner gewohnten digitalen Trainingshilfe zurücklegen.

Das war auch gut so, schließlich hätte ich laut Runtastic noch mehr als 600 Meter weiterlaufen müssen. 14,4 km zeigte die Anzeige bei der Rückkehr an. Ein unfassbar schlechter Wert. Auf einer Dienstreise und in unbekanntem Gelände könnte diese Abweichung so manches Trainingsergebnis verfälschen. Aber auch bei einem Rennen besteht die Gefahr, die eigene Leistung und die zurückgelegte Distanz falsch einzuschätzen. Hochgerechnet auf einen Marathon hätte die Anzeige der App um mehr als 1,5 km abgewichen.

 

Auch auf der langen Strecke weicht der Messwert ab.

Auch auf der langen Strecke weicht der Messwert ab.

Zweiter Test bestätigt die Messdifferenzen

Jeder hat im Leben eine zweite Chance verdient. Und so wollte ich Runtastic auch noch einen zweiten Versuch gestatten, mich von der Funktionsfähigkeit zu überzeugen. Gestern Abend lief ich 25 Kilometer, und hatte dabei wieder den Forerunner am Handgelenk, und das Smartphone am Arm. Das gleichmäßige Tempo beim langen Lauf war anscheinend von Vorteil für die App. Am Ende war die Laufstrecke, die Runtastic gemessen nur um 400 Meter kürzer, als beim Forerunner. Das bedeutet aber auch, dass selbst bei einem Lauf ohne Tempowechsel und mit wenigen Richtungswechseln, die Abweichung immer noch deutlich spürbar ist.

Selbstverständlich ist das Ergebnis dieser Vergleiche nicht repräsentativ. Für mich bleibt aber als Fazit, dass Runtastic eher eine modische Spielerei ist, als eine ernstzunehmende Alternative zum Garmin Forerunner. Nur gut, dass ich mir nicht die Gold-Variante zugelegt habe. Oder hat die auch eine verbesserte GPS-Ortung? Falls ich mal wieder auf die Laufbahn gehen sollte, bin ich auf die neuen Vergleichsergebnisse gespannt. Bei den Runden auf der Tartanbahn hat nämlich sogar der Forerunner große Probleme.

 

Anmerkung: Der Screenshot gibt nicht den genauen Wert wieder, da ich die App erst im Haus ausgeschaltet habe. Deshalb steht dort 14,43 km.

 

 

 

 

 

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1 Comment

Marc

about 7 Monaten ago

Danke für den Artikel! Mir fällt allerdings dazu ein, dass die GPS-Genauigkeit doch vom verwendeten Smartphone und nicht (nur) von der App abhängt. Bei meinen Läufen lagen App (Runtastic auf dem iPhone 6) und Garmin FR 620 nur einen Meter auseinander. Bei Runtastic ist auch die Eingabe eines Intervalltrainings möglich. Laktatschwelle, etc. können mit einem HF-Gurt ermittelt werden. Die Ansagen finde ich angenehmer, als auf eine Uhr schauen zu müssen .... Das größte Manko, welches die App bisher hatte ist, dass sie mehrfach "stehengeblieben" ist. Den Grund dsfür habe ich bisher noch nicht herausgefunden.

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