Tobias Escher, Daniel Jovanov – Der Abstieg

Tobias Escher, Daniel Jovanov – Der Abstieg

Die nächste Buchvorstellung in meinem Adventskalender. Tobias Escher und Daniel Jovanov zeichnen in „Der Abstieg: Wie Funktionäre einen Verein ruinieren“ den Niedergang der Hamburger Sportvereins nach.

Tobias Escher, Daniel Jovanov – Der Abstieg

Titel: Der Abstieg: Wie Funktionäre einen Verein ruinieren

Taschenbuch: 272 Seiten  

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: Originalausgabe (4. September 2018)

Sprache: Deutsch

Inhalt:

Heutzutage ist es schwer vorstellbar, aber vor weniger als 10 Jahren stand der Hamburger Sportverein im Halbfinale des UEFA-Cups und des DFB-Pokals, und hatte in der Meisterschaft zumindest die theoretische Chance auf den Titel. Was lief seit dem März 2009 falsch im Volkspark? Warum duelliert sich der HSV aktuell mit dem SV Sandhausen und nicht Real Madrid? Tobias Escher und Daniel Jovanov arbeiten fast ein Jahrzehnt hanseatischen Dilettantismus auf 272 Seiten chronologisch auf. Jahr für Jahr, Saison für Saison, Trainer für Trainer, aber vor allem Fehler für Fehler erklären und erzählen die Autoren, was zum schleichenden Niedergang eines der traditionsreichsten Fußballclubs Deutschlands führte.

Dabei decken die beiden nicht nur das breit gefächerte Themenfeld neben dem Platz ab, sondern – vermutlich in der Hauptsache durch Taktikfuchs Tobias Escher – erklären auch taktische und spielerische Defizite auf dem Rasen. Falsches Spielermaterial und falsche Spielideen befeuern in vielen Fällen das Abrutschen der Hamburger in den Abstiegskampf.

Ähnlich wie bei seinem Auftaktwerk „Vom Libero zur Doppelsechs: Eine Taktikgeschichte des deutschen Fußballs“, werden die Kapitel zu den einzelnen Trainern immer wieder durch Taktiktafeln ergänzt. Anhand der Aufstellungen in großen Spielen der Trainerkarrieren kann der Leser die Erläuterungen im Text nachvollziehen. Neben den bereits genannten eher bekannteren Coaches, stellt Tobias Escher auch einige Persönlichkeiten wie Maurizio Sarri oder Marcelo Bielsa vor.

Autoren

Tobias Escher, 30, wurde von mir bereits hier und hier detalliert vorgestellt, deshalb an dieser Stelle nur der Hinweis auf die beiden Rezensionen zu seinen anderen Büchern.

Daniel Jovanov, 27, Journalist, schreibt als Experte für den Hamburger Sportverein u.a. für Goal.com, Die Zeit, Spiegel Online und die Taz. Ist daneben mit seinen Insiderinformationen auch regelmäßig gern gesehener Gast in diversen Podcastformaten.

Für wen ist das Buch geeignet?

Für Fans von Werder Bremen und dem FC St. Pauli aus Unterhaltungsgründen, für neutrale Fußballfans aus Abschreckungsgründen und für HSV-Fans aus masochistischen Gründen. Ernsthaft ist diese Aufarbeitung der jüngeren Geschichte eines Gründungsmitglieds der Bundesliga ein hervorragend aufbereitetes und recherchiertes Buch. Von kleinsten vertraglichen Details bis hin zu populistischen Fehlbesetzungen liefern Escher und Jovanov alle Ursachen und Belege dafür, warum Hamburg nach mehr als 54 ½ Jahren keinen Fußballbundesligisten mehr hat. Hamburgern kann dieses Buch eine gute Erinnerung daran sein, dass nicht alles was anfangs bejubelt wird, auch von Substanz und Dauer sein muss. Für Fans anderer Sport- und Fußballvereine sollte die Geschichte eine Mahnung dafür sein, dass auch gute Voraussetzungen am Ende nicht zwangsläufig zum Erfolg führen. Lernen kann jeder Leser dieses Buches.

Wertung

10 von 10 Punkten. Ich hatte vor Jahren selbst einen kleinen Versuch unternommen, die Zustände beim Hamburger SV zu beleuchten. Tobias Escher und Daniel Jovanov sind aber einen ganzen Wanderweg weitergegangen und haben mit ihrem Buch ein echtes Referenzstück über die jüngere Geschichte des HSV geschrieben. Teilweise spannend wie ein Krimi, übertrieben wie eine Daily Soap und komisch wie eine Comedysendung ist es doch nur die nackte Wahrheit, die von den Autoren dokumentiert und bewertet wird. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und legte „Der Abstieg“ nur sehr ungern aus der Hand. Wer noch nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für einen Fußballfan im Allgemeinen und vor allem einen Hamburger im Speziellen sucht, der trifft mit diesem Buch eine gute Entscheidung.

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