Die rot-weiße EM – Bayernspieler in Frankreich – Teil 2 von 2

Die rot-weiße EM – Bayernspieler in Frankreich – Teil 2 von 2

Der FC Bayern München stellt mit neun Spielern die meisten Teilnehmer aller Bundesligisten an der Europameisterschaft in Frankreich. Wie sind die Chancen der Akteure auf persönlichen und mannschaftlichen Erfolg bei der Euro 2016? Wer kann sich zu einem Shootingstar entwickeln und wessen Titelchancen sind realistisch? In Teil widme ich mich den ausländischen Bayernspielern bei der EM 2016.

2014 spielten Arjen Robben, Daniel van Buyten, Javi Martinez, Mario Mandžukić und Xherdan Shaqiri  die WM für europäische Mannschaften. Die Niederlande sind nicht für die EM qualifiziert, van Buyten, Mandžukić und Shaqiri schon lange nicht mehr beim FC Bayern, und Martinez ist nicht im spanischen Kader. Vier neue „bayrische“ Gesichter spielen also bei der Europameisterschaft 2016.

 

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Kingsley Coman – Frankreich

Wenn man die Titelsammlung von Kingsley Coman liest, dann könnte man fast vergessen, dass der Franzose erst 19 Jahre alt ist. Nicht weniger als fünf nationale Meisterschaften und drei nationale Pokalsiege stehen in der Vita des flinken Außenspielers. In München überzeugte Coman vor allem in der Hinrunde, und war zwischendurch Stammspieler auf Linksaußen. Aber nach der Winterpause fiel Coman in ein Leistungstief, und konnte sich bis zum Saisonende auch nicht wirklich befreien. Zwar lieferte er hin und wieder Glanzauftritte wie beim Rückspiele gegen Juventus Turin, aber oftmals wirkte er in der zweiten Saisonhälfte vor allem mental nicht frisch genug.

In der Équipe Tricolore ist Kingsley Coman noch einer der Newcomer, aber er könnte sich durch seine guten Leistungen in den letzten Testspielen sogar direkt für die erste Elf empfohlen haben.  Die Rolle als rechter von drei Offensivspielern ist etwas offensiver, als beim FC Bayern, wo Coman doch eher eine Reihe weiter hinten beginnt. Spielt Coman, dann hat er die große Chance sich in seinem Heimatland mit guten Leistungen bereits in seinem jungen Alter zu einem der Eckpfeiler der französischen Nationalmannschaft zu entwickeln. Die Erfahrung eines großen Turniers wird Kingsley Coman bei den Bayern auf jeden Fall zu Gute kommen.

Starpotenzial 9 von 10 –jung, sympathisch, gut und dazu spielt Coman beim Gastgeber!

Als Gastgeber gehört die französische Nationalmannschaft naturgemäß zu den Favoriten bei der EM 2016. Doch zusätzlich zum Heimvorteil verfügt Frankreich in diesem Sommer über den vielleicht besten Kader seit den Titeljahren 1998-2000. Nationaltrainer Didier Deschamps hat Unruhestifter wie Karim Benzema nicht berufen, und trotz des Drucks vor eigenem Publikum war die Vorbereitung vergleichsweise harmonisch. Spieler wie Giroud, Pogba, Griezmann und Martial gehören zu den besten Spielern Europas, und die EM im Heimatland könnte genau der richtige Zeitpunkt für diese Generation französischer Spieler sein, um aus dem Schatten der vergangenen Helden herauszutreten. Die beiden letzten Turniere in Frankreich gewannen „les Bleus“ und auch bei dieser Europameisterschaft sind sie ein ganz heißer Kandidat auf den Titel.

Titelchancen 10 von 10 auf dem „Allez-les-Bleus“-Meter

 

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Robert Lewandowski  – Polen

Als erster Bundesligaspieler seit fast 40 Jahren konnte Robert Lewandowski 30 Tore erzielen. Die Bundesligasaison des polnischen Mittelstürmers war sehr gut. Trotz sieben Doppelpacks und der Fünf-Tore-Gala gegen den VfL Wolfsburg war Lewandowski aber gegen Saisonende nicht frei von Kritik. In Champions-League und Pokal traf er nicht mehr so wie vor der Winterpause. Das liegt aber auch daran, dass beim FC Bayern viele hochklassige Akteure in der Offensive auf dem Platz stehen, und das Spiel nicht so auf Lewandowski zugeschnitten ist, wie in der polnischen Nationalmannschaft. Die erzielte in der EM-Qualifikation 33 Tore, und damit die meisten aller 53 Teams. 13 der Treffer steuerte Mannschaftskapitän Lewandowski bei. Auch bei der Europameisterschaft ist der 27-jährige der Fixpunkt der polnischen Offensive. Kann Polen sich bis ins Viertel- oder Halbfinale vorspielen, dann nur mit Toren und Aktionen von Robert Lewandowski.

Starpotenzial 10 von 10

Wie gut die polnische Nationalmannschaft spielen kann, erlebten die deutschen Zuschauer beim 0:2 der DFB-Elf im Oktober 2014 in der EM-Qualifikation.  Allerdings leisteten sich die Polen neben der Niederlage im Rückspiel in Deutschland, auch Punktverluste bei drei Unentschieden gegen Schottland und Irland. An einem guten Tag kann Polen auch Spitzenteams schlagen, aber bei der EM müssten schon mehrere gute Tage zusammenkommen. Platz zwei oder drei in der deutschen Gruppe ist möglich, und mit ein wenig Glück und dem richtigen Gegner auch das Viertelfinale.

Titelchancen 4 von 10 Punkten auf der Offensivspektakelskala

 

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David Alaba – Österreich

Die vergangene Spielzeit des David Alaba gehört sicher nicht zu den besten in seiner bisherigen Karriere. Der Österreicher agierte auf höchstem Niveau nicht immer so zuverlässig und fehlerfrei, wie man es von ihm in den Vorjahren gewohnt war. Bei Gegentoren in der Champions League gegen Juventus Turin und  Atlético Madrid war er an den Fehlerketten beteiligt. Dennoch gab es auch in diesem Jahr viele Spiele, bei denen der immer noch erst 23 Jahre alte Alaba zu den besten Spielern beim FCB gehörte. Vor allem seine Vielseitigkeit war wieder beeindruckend. Während er in der ersten Spielzeit unter Guardiola nur als Linksverteidiger im Einsatz war, und im Vorjahr häufig auch  im Mittelfeld agierte,  war Alaba in der Saison 15/16 in vielen Fällen auch als Innenverteidiger im Einsatz.

In der österreichischen Nationalmannschaft muss sich David Alaba dagegen nicht auf wechselnde Positionen einstellen. Das zentrale Mittelfeld ist sein reich, und Alaba hat auch mehr Freiheiten für den eigenen Abschluss und die eigene Kreativität, als beim FC Bayern. Zudem gehört Alaba zu den Führungsspielern beim ÖFB und ist der erste Elfmeterschütze unserer Nachbarn. Die prominentere Rolle in der Nationalmannschaft könnte Alaba durchaus noch einmal einen Schritt in der internationalen Aufmerksamkeit nach vorne bringen.

Starpotenzial 8 von 10 – Fast wie bei Lewandowski und Polen, hängt bei Österreich auch viel von Alaba ab.

Die Nationalmannschaft Österreichs hat sich erstmals seit der EM 2008 im eigenen Land wieder für ein großes Turnier qualifiziert. Das gelang äußerst souverän mit nur einem Unentschieden und neun Siegen in einer Gruppe vor Russland und Schweden. Mit 15 Spielern aus der Bundesliga sind sogar mehr Profis aus der höchsten deutschen Spielklasse im österreichischen Kader, als im deutschen.  Ergänzt wird dieser Kern noch durch Legionäre wie Marco Arnautovic, Marc Janko und den frischgebackenen englischen Meister und Mannschaftskapitän Christian Fuchs. In einer Gruppe mit Island, Portugal und Ungarn ist unseren südlichen Nachbarn vielleicht sogar der Gruppensieg zuzutrauen. Ab der K.O. Runde wird es aber bedeutend schwerer, und bis auf Alaba verfügt kein Spieler im Kader über wirkliche Erfahrungen in Duellen auf ganz hohem europäischem Niveau. Österreich ist auf einem guten Weg, der führt aber nicht zum EM-Titel.

3 von 10 Punkten auf der Bundesligalegionäre-Skala

 

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Thiago – Spanien

Auch am Spanier Thiago scheiden sich die Geister. Gegen Juventus Turin war er einer der entscheidenden Spieler beim Comeback im Rückspiel. Gegen Benfica und Madrid agierte er aber häufig unglücklich und zeigte nicht die besten Spiele. Gleiches gilt für das Pokalfinale. In den ganz großen Spielen hat Thiago sein volles Können noch nicht gezeigt. Mit Mittlerweile 25 Jahren ist er aber aus dem Talentealter heraus, und müsste den Schritt zu einem kompletten Spieler gehen können.

In der spanischen Nationalmannschaft konnte Thiago die nächste Stufe ebenfalls noch nicht erreichen. Ganze zwei Spiele absolviert er bisher über die vollen 90 Minuten.  Die Konkurrenz mit Spielern wie Fabregas, Bousquets, Isco, Iniesta, Cazorla und Koke ist hoch, und bisher noch zu hoch für Thiago. Zweimal stand der Münchner bei den letzten Testspielen zumindest eine Halbzeit lang auf dem Platz. Zu Beginn der EM 2016 droht aber aller Voraussicht nach erst einmal die Ersatzbank. Vielleicht gelingt Thiago ja durch eine ähnliche Leistung wie beim 4:2 n.V. gegen Juve der Befreiungsschlag.

Starpotenzial 3 von 10, weil Einsatzzeiten vermutlich kaum vorhanden sein werden.

Der Abgesang auf die spanische Nationalmannschaft nach der enttäuschenden WM 2014 war verfrüht. Trotz des Ausscheidens in Brasilien nach der Vorrunde, gehört der Titelverteidiger bei der Europameisterschaft erneut zum Favoritenkreis. Lediglich ein Spiel verloren die Spanier auf dem Weg zur Euro 2016, alle anderen wurden gewonnen. Dazu kassierte das Team von Vicente del Bosque lediglich drei (!!!) Gegentore in der gesamten Qualifikation. Trotz des technisch hochwertigen Offensivfußballs war es vor allem immer die stabile Defensive, die Spanien auf dem Weg zu drei Titeln hintereinander auszeichnetet. So steht zwar auch vor diesem Turnier das größte Fragezeichen hinter dem Sturm der Iberer, aber das war vor vergangenen EM- und WM-Turnieren ähnlich. Einzig die hohe Belastung der meisten Akteure durch die vielen Spiele in Spanien, England und der Champions League könnte sich zu einem echten Problem entwickeln. Ansonsten ist der Titelhattrick bei dieser EM durchaus machbar.

Titelchancen 9 von 10 auf dem Seriensiegermeter

 

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2 Comments

Wettfreund

about 1 Jahr ago

Danke für den tollen Beitrag, natürlich habe ich auch den ersten Teil dieser Artikelserie gelesen. Etwas ironisch, dass alle hier erwähnten Bayern Spieler bislang schwache Leistungen boten wie ich finde. Vor allem Lewandowski muss endlich mal aufwachen wenn Polen Chancen haben will.

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bundesliga-tickets.net

about 1 Jahr ago

Bis auf Lewandowski haben, wenn wir mal ehrlich sind, alle Nicht-DFB Bayern-Profis eine enttäuschende EM gespielt...

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