Der Befreiungschlag des BVB? – Dortmund vorm Topspiel

Am kommenden Samstag steht in München Teil eins des großen deutschen Duells der letzten Jahre auf dem Programm. Der FC Bayern empfängt die Borussia aus Dortmund zum Hinspiel am zehnten Spieltag der Bundesliga. Die Vorzeichen sind dabei ziemlich gegensätzlich. Statt sich auf Augenhöhe zu begegnen, kann der BVB die Münchner aktuell nur mit dem berühmten Fernglas erkennen. Im zweiten Teil der Vorschau blicken wir auf die Situation der Dortmunder.

Platz 15 mit 7 Punkten, 4 Bundesliga-Niederlagen hintereinander und bereits 14 Punkte Rückstand auf den kommenden Gegner aus München – die Situation bei Borussia Dortmund ist auf den ersten Blick besorgniserregend. Nachdem die Borussen in den letzten Jahren zum Saisonende 25 bzw. 19 Punkte hinter den Bayern lagen, sollte in diesem Jahr der Abstand verkürzt werden. Idealerweise wollte man den Kampf um die Meisterschaft so lange wie möglich offen halten. Das scheint bereits nach nicht einmal einem Drittel der Saison unmöglich. Warum also sollte man sich beim BVB ausgerechnet auf das Duell gegen den scheinbar übermächtigen Konkurrenten aus dem Süden freuen?

Dortmund in den letzten Jahren erfolgreich in der Allianz Arena

Da ist zuerst einmal die Bilanz der Dortmunder gegen den FC Bayern in München. Die letzte Bundesliga-Niederlage des BVB in der Allianz Arena stammt aus dem Februar 2010 (siehe Titelbild). Damals war ein gewisser Louis Van Gaal in seinem ersten Jahr Trainer in München. Selbst in den letzten beiden Jahren war der BVB bei den direkten Duellen immer auf Augenhöhe. Auch die einzige deutliche Niederlage – 0:3 in der Vorsaison zuhause in Dortmund – war bis in die Schlussphase offen.

Die Krise der Dortmunder ist nebenbei keine wirkliche Leistungskrise, sondern eher eine Ergebniskrise. Bei den Spielen gegen den HSV, in Köln, aber vor allem gegen Hannover 96 war der BVB das bessere Team. Das entscheidende Manko war die schlechte Chancenverwertung. Trainer sprechen immer davon, dass Probleme in der Offensive leichter zu lösen sind, als Defensivprobleme, das spricht für ein Ende der Dortmunder Krise. In der Champions League und zuletzt im DFB-Pokal zeigten die Dortmunder, dass die Offensive auch ohne Robert Lewandowski funktioniert. Im Prinzip sollte der Knoten auch in der Bundesliga platzen. Der BVB ist überfällig für einen hohen Sieg, vielleicht ausgerechnet in München?

Taktikfuchs Klopp gegen Taktikfuchs Guardiola

Die Frage sollte vielleicht lauten: Gegen wen siegt Dortmund, wenn nicht gegen die Bayern? Kaum ein Team passt vom Stil perfekter zum Ballbesitzfußball des FCB, als die Borussia aus Dortmund. Das Pressing der Dortmunder und die kompakte Defensive brachten die Münchner von 2011-2013 regelmäßig zur Verzweiflung.

Selbst bei den beiden Erfolgen im Vorjahr zollte Pep Guardiola dem Spielkonzept von Jürgen Klopp sogar soviel Respekt, dass er seine Aufstellung und Taktik am Gegner orientierte. So stellte der Spanier im Signal-Iduna-Park Javi Martinez hinter den Spitzen auf, um mit langen Pässen nach vorne Ballverluste im defensiven Mittelfeld zu vermeiden. Im Pokalfinale war es dann teilweise eine Fünferkette in der Münchner Abwehr, die dem offensiven Mittelfeld des BVB den Raum für schnelle Gegenstöße nehmen sollte. Dem Gesetz der Serie folgend, wäre aber am Wochenende wieder Jürgen Klopp mit einer neuen taktischen Finesse an der Reihe. Zumal der Borussia mittlerweile wieder die komplette Kreativabteilung aus den Meisterjahren 2011 und 2012 zur Verfügung steht.

Mehr als nur ein Bundesligaspiel

Neben dem rein sportlichen Wert bietet das Spiel beim bayrischen Rivalen außerdem die Gelegenheit mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zuerst einmal kann die Mannschaft von Jürgen Klopp mit einem Erfolg vorübergehend für Ruhe in den Medien sorgen. Ein Sieg bei den Münchnern überlagert viele Probleme.

Und weiterhin ist das Duell gegen die Bayern auch immer ein kleiner Psychokrieg. Sammer vs. Klopp, Watze gegen Rummenigge – die Themen waren dabei mit Götze, Lewandowski oder der Arbeitsintensität außerhalb Münchens vielfältig – die Abneigung einiger Kontrahenten gegeneinander aber immer eindeutig. Aktuell ist es die mögliche Verpflichtung von Marco Reus bzw. dessen Ausstiegsklausel die für permanentes Verschießen von verbalen Giftpfeilen sorgt. Der Sieg in München würde der Dortmunder Seele und dem eigenen Selbstverständnis vom Underdog gut tun. Die Bayern wären, trotz des deutlichen Vorsprungs, sicher nicht begeistert.

Trotz anderslautender Aussagen – es brodelt intern

Doch genauso kann das Spiel beim FCB auch der Tropfen sein, der das BVB-Fass zum Überlaufen bringt. Die schlechten Resultate der letzten Wochen nagen am Selbstvertrauen und das heile Bild der Elf Freunde bröckelt. Mats Hummels hat seine Kritik an Roman Weidenfeller nach dem Spiel gegen Hannover zwar wieder revidiert, aber wer die Interviews des Dortmunder Innenverteidigers kennt, der weiß das Hummels nichts unüberlegtes von sich gibt. Die Worte waren mit Bedacht gewählt und zeigen, dass auch in Dortmund bei Mißerfolgen irgendwann die Stimmung umschlagen kann.

Das Spiel am Samstag mag tabellarisch kein Duell auf Augenhöhe sein, aber trotzdem bietet es mal wieder viele Randgeschichten und das Potenzial für ein wirkliches Bundesliga-Topspiel am Samstagabend. Die Vorfreude steigt.

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