Bartels und Rizzoli – Ein Plädoyer für den Co-Kommentator

Der Bundestrainer hat einen Co-Trainer, die Kanzlerin hat einen Vizekanzler, “Obdi” hat “Scholli”, Olli hat Olli, selbst Rizolli hatte (sogar zwei) Assistenten. Nur der Job des Kommentators ist bei den öffentlich-rechtlichen Sendern eine “One-Man-Show”. Im Fall von Tom Bartels und dem WM Finale war es eine “One-Man-Horror-Show”. Die Schiedsrichterleistung von Nicola Rizzoli und seinem Team, die sich nahtlos in die Reihe der schlechten Auftritte der Spielleiter bei der WM einfügte, wurde nur unterboten von der Bewertung der Entscheidungen durch Tom Bartels. Doch der Reihe nach.

3. Minute Foul an Thomas Müller von Marcus Rojo

Bartels: “Nicola Rizzoli aus Bologna stand sehr gut. Rojo rammt Müller zu Boden.”

Entscheidung von Rizzoli und Bewertung von Bartels sind korrekt. Ein vielversprechender Beginn.

 

6. Minute  Deutschland im Ballbesitz, Toni Kroos versucht einen Seitenwechsel und Rizzoli steht im Weg. Der Ball landet im Seitenaus. Die Argentinier geben den Ball nicht zurück.

Bartels: “Schiedsrichter ist laut Reglement Luft. Ärgerlich in diesem Fall für die deutsche Mannschaft. Schlechtes Stellungsspiel von Rizzoli.“

 

14. Minute Foul von Martin Demichelis an Miroslav Klose durch einen Tritt aufs Schienbein. Gelbwürdig, Rizzoli entscheidet nur auf Freistoß.

Bartels bewertet das Foul nur live mit „Da wird er (Klose) voll erwischt.“

 

17. Minute Christoph Kramer wird von Ezequiel Garey im Strafraum der Argentinier per Bodycheck umgerannt und bleibt benommen liegen. Elfmeter und gelb wären die logische Konsequenz. Bei strenger Auslegung der Aktion als Tätlichkeit könnte auch die rote Karte gezogen werden. Der Assistent steht 5 Meter daneben und sieht nichts. Rizzoli entscheidet ebenfalls auf Weiterlaufen. Beim Ansehen der Zeitlupe bekommt man Kopfschmerzen.

Bartels: “Au, voll erwischt von Garey an der Schulter. Wird da voll mit der Schulter weggecheckt. Wenn der Schiedsrichter das sieht, dann muss er Elfmeter geben. Das ist im Strafraum. … Das war natürlich ein unglaublich hartes Einsteigen.“

 

20. Minute Rojo haut Müller von hinten die Beine weg, trifft dabei den Ball, aber nur, weil Müller vorsorglich hochspringt. Gelb kann man geben, muss aber nicht. Rizzoli steht auf der anderen Seite des Spielfelds und entscheidet auf Einwurf Deutschland.

 

28. Minute Langer Ball von Bastian Schweinsteiger auf Klose. Torwart Sergio Romero kommt in bester “Oli-Kahn-Manier” aus seinem Tor und fängt den Ball ab. Klose ist aber aufmerksam und schaut hoch. Er sieht Romero herauslaufen, es gibt keinen Zusammenprall, das Spiel läuft weiter.

Bartels: “Mit  dem Fuß voraus, so machen das die Torhüter um Angst zu verbreiten, um Respekt dem Gegner einzuflößen. … Gut mitgespielt von Monacos Ersatztorhüter.”

 

29. Minute Taktisches Foul von Schweinsteiger. Im Prinzip das erste wirkliche Foul der deutschen Elf. Schweinsteiger sieht direkt gelb. An sich ist die Entscheidung vollkommen berechtigt. Schweinsteiger begeht ein taktisches Foul. Im Kontext der vorhergehenden Entscheidungen ist die gelbe Karte überzogen. Eine Ermahnung, wie bei den Argentiniern zuvor, wäre der Spielleitung bis zu diesem Zeitpunkt angemessen gewesen.

Bartels dazu: „Taktisches Foul von Schweinsteiger. … Der Schiedsrichter muss das so auch bewerten.“ Kein Wort dazu, dass Rizzoli hier einseitig seine bisher großzügige Linie verlässt.

 

30. Minute Abseitstor durch Gonzalo Higuain. Sowohl Rizzoli bzw. sein Assistent, als auch Bartels sehen das sofort.

 

34. Minute Hartes Einsteigen von Benedikt Höwedes gegen Pablo Zabaleta. Rizzoli zieht zurecht gelb.

Bartels: “Die gelbe Karte ist unstrittig. Hat Glück gehabt, dass er nur gelb bekommen hat.“

 

41. Minute Foulspiel von Enzo Perez an Müller. Perez gibt Müller einen Tritt, nachdem der Ball bereits mehrere Meter weg ist. Gelbwürdig. Weder Rizzoli, noch der Linienrichter, der wieder direkt daneben steht, reagieren.

Bartels: „Eben großzügig, jetzt großzügig…. Nun hat der Schiedsrichter schon ein paar gelbe Karten verteilt. Also dafür, dass jetzt hier Härte reinkommt, ist er nicht zu verantworten…. Und Rizzoli macht das bislang gut.“

Das die gelben Karten bisher nur an deutsche Spieler verteilt wurden, ignoriert Bartels.

Nachdem die Zeitlupe zum Foul an Müller eingeblendet wird, bemerkt Bartels: „Hat er einen mitbekommen, eindeutig von Perez, Thomas Müller.“ Danach geht Bartels aber nicht mehr auf die Szene ein, sondern berichtet lieber über Manuel Neuer.

 

43. Minute Absichtliches Handspiel von Ezequiel Lavezzi an der Seitenlinie. Rizzoli steht zehn Meter daneben, offensichtlich zehn zuviel, es gibt Einwurf für Argentinien. Für den Assistenten ist die Szene eher schlecht zu sehen, da er relativ weit weg steht, und Andre Schürrle seine Sicht einschränkt.

Bartels: “Ja, Handspiel von Lavezzi. Das ist das was Schürrle anzeigt, und das wäre sicherlich auch das, was hätte geandet werden sollen. Und der Assistent steht da nicht so schlecht, um das sogar mitzubekommen.“

 

Halbzeit Spielstand 0:0 – Gelbe Karten zwei für Deutschland, null für Argentinien. Gelbwürdige Fouls bei Argentinien gab es vier, zwingend wären dabei wohl zwei gelbe Karten gewesen. Dazu das elfmeterwürdige Foul an Kramer und ein übersehenes absichtliches Handspiel. Passende Note für Rizzoli wäre bisher eine 4, aber nur, weil die Elfmeterszene schwer erkennbar war, und er ansonsten keinen direkten Einfluss aufs Spiel genommen hat.

Der Assistent auf der Gegenseite bekommt eine 3, der auf der Seite mit den Spielerbänken eine 5.

Den Kommentaren von Tom Bartels ist zu entnehmen, dass er bisher mit der Leistung des Schiedsrichters zufrieden ist.

 

55. Minute Rizzoli pfeift bei einem deutschen Eckball Aufstützen gegen Müller. Davon ist in der Zeitlupe nichts zu sehen. Stattdessen wird Müller gehalten, wobei das noch als branchenübliches Verhalten durchgeht. Im Prinzip kann man die Szene ohne Pfiff so weiterlaufen lassen.

Bartels: “Falsche Entscheidung, Spiel läuft schon weiter.“

 

57. Minute Langer Ball der Argentinier nach vorne. Manuel Neuer springt am Strafraumeck hoch und faustet den Ball ins Seitenaus. Er zieht dabei weder die Knie hoch, noch hat er einen Fuß vorgestreckt. Higuain, der nur auf den Ball achtet, wird von Neuer getroffen, nachdem der Ball gespielt wurde. Rizzoli entscheidet korrekt auf Freistoß für Deutschland.

Bartels: “Rammt ihn zu Boden, er läuft ihn um. Was soll Higuain machen, er versucht zum Ball zu kommen. Neuer spielt ihn, aber auf keinen Fall Freistoß für die deutsche Mannschaft. Es war kein Foul des argentinischen Angreifers.“

Interessant, wie Bartels diese Szene im Vergleich zur Situation Romero – Klose in Halbzeit eins bewertet. Man stelle sich vor, Neuer wäre, wie von Bartels empfohlen, mit dem Fuß voraus in Higuain gesprungen. Die Freistoßentscheidung ist korrekt, weil Higuain nicht darauf achtet, wohin er läuft, und selber Schuld ist, dass er von Neuer getroffen wird. Der spielt den Ball und wird dann gefoult, weil Higuain ihn unterläuft.

Bartels schiebt aber noch eine Bemerkung hinterher:

„Zabella und Higuain beim vierten Offiziellen beschwert, in dem Fall für mich wirklich nachvollziehbar.“

 

64. Minute Die Hölle ist zugefroren. Vielleicht nicht ganz, aber irgendwas muss mit Rizzoli geschehen sein. Nach einem taktischen Foul von Javier Mascherano an Klose gibt es die erste gelbe Karte für Argentinien.

Bartels: “Muss gelb geben, auch er war zu spät.“

 

65. Minute Rizzoli hat eine kurze wache Phase. Aguero sieht ebenfalls gelb, nachdem er Schweinsteiger an der Seitenlinie getroffen hat.

Bartels schwärmt: “Und wirklich stark von Rizzoli, dass er das jetzt auch hier so durchzieht, denn die Fouls sind drüber.“

Wirklich beeindruckend, dass Rizzoli in den Minuten 64 und 65 eines WM Finals erstmals die gleichen Maßstäbe für beide Mannschaften ansetzt.

 

72. Minute Perez führt einen nickligen Zweikampf gegen Kroos. Kein Foul, es gibt Einwurf Deutschland. Perez redet aber weiter auf Kroos ein. Vermutlich keine Nettigkeiten, die Perez in Richtung Kroos ruft. Rizzoli holt sich den Argentinier zur Ansprache, der redet aber fröhlich weiter in Richtung Kroos, und lässt sich von der geballten Autorität des Schiedsrichters nicht beeindrucken.

Bartels bleibt stumm.

 

80. Minute Höwedes verstolpert zuerst eine Chance für Deutschland. Bei dem Versuch an den Strafraum zurückzuspielen, tritt er anschließend über den Ball. So sieht es zumindest in Echtgeschwindigkeit aus. In der Zeitlupe erkennt man deutlich, dass Garay Höwedes auf den Fuß tritt. Elfmeter Deutschland wäre möglich gewesen. Der Tritt ist vergleichbar mit dem Foul an Arjen Robben im Spiel Niederlande – Mexiko. Rizzoli unterbricht die Partie nicht.

Bartels sagt dazu gar nichts, sieht den Treffer an Höwedes anscheinend nicht, sondern bewertet eine Zeitlupe über einen Zweikampf davor.

 

Minute 83 Zweikampf Mesut Özil gegen Rojo am Strafraumeck der Argentinier. Rojo trifft mit seinem Tackling nur den Fuß von Özil. Rizzoli, bzw. sein Assistent, der fünf Meter daneben steht, entscheidet auf Abstoß Argentinien. Statt einer guten Standardsituation für Deutschland kurz vor Ende der regulären Spielzeit, ist die Szene entschärft.

Bartels beschäftigt sich lieber mit dem Flitzer auf dem Platz, und bewertet die Zeitlupe nur nebenbei mit „den Rempler gegen Özil.“ Ist aber auch schwer aufs Spiel zu achten, wenn man gerade durch einen Flitzer abgelenkt wird.

 

Ende der regulären Spielzeit Rizzoli hat zwischenzeitlich endlich auch die Argentinier bei Foulspielen verwarnt. Weiterhin bleiben aber einige Entscheidungen unverständlich, wie z.B. das klare Foul an Özil nicht zu ahnden. Note für Rizzoli nach 90 Minuten: 3-

 

102. Minute Mascherano verspringt der Ball, im Nachsetzen tritt er Schweinsteiger brutal auf den Knöchel. Eine klare gelbe Karte, damit gelb-rot für Mascherano. Rizzoli steht 5 Meter daneben und lässt das Spiel laufen.

Bartels: “Und Schweinsteiger, Mascherano, das ist Anstand, das ist der, die Achtung auch vor dem Gegenspieler, selbst wenn er ihn getroffen hat. Er sucht gleich den Kontakt. Sie hauen sich hier alle auf die Socken.“

Nach Ansicht der Zeitlupe nochmal Bartels:

„Au ja, trifft ihn unten nochmal, gut zu sehen. Im Bereich der Achillessehne. Au, am Knöchel.“

Zur Entscheidung von Rizzoli sagt er nichts. Es wird über den Führungsspieler Schweinsteiger philosophiert.

 

105. Minute Die Argentinier werden müde. Diesmal verspringt Rodrigo Palacio der Ball, er tritt im Nachsetzen Philipp Lahm auf den Knöchel. Auch das gelbwürdig. Rizzoli pfeifft zumindest Freistoß.

 

Halbzeit der Verlängerung Bei den Argentinier lassen die Kräfte deutlich nach. Bei Rizzoli ist die Bereitschaft gelbe Karten zu verteilen ebenfalls stark gesunken. Mascherano hätte bereits jetzt nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Die Note für den Schiedsrichter wäre jetzt eher wieder eine vier.

 

109. Minute Foul von Mascherano an Schweinsteiger. Klare gelbe Karte, der Argentinier trifft von schräg hinten nur den Knöchel des Deutschen. Rizzoli pfeift zwar Foul, die fällige zweite Verwarnung bleibt aber aus. Das zweite Mal in der Verlängerung, dass er Mascherano nicht vom Platz stellt.

Bartels: „Schweinsteiger, gefoult von Mascherano, der schon gelb hat, aber …“ Es folgt die dritte Zeitlupe. Bartels: „Der Glück hat in dem Fall. Hab ich auf den ersten Blick nicht so gesehen, der Schiedsrichter auch nicht. Aber den Ball spielt Mascherano nie. Er kann von Glück sagen, dass er diese Finale zu Ende spielen darf. Das hätte die Karten hier komplett verändert. Und alles neu gemischt.“

 

110. Minute Faustschlag von Aguero im Kopfballduell gegen Schweinsteiger. Der Deutsche blutet sofort aus einer Verletzung unter dem Auge. Rizzoli gibt nur Freistoß, statt den bereits verwarnten Aguero mit gelb-rot oder sogar rot zum Duschen zu schicken.

“Bartels: Voll erwischt. Aguero. Hat auch schon gelb. Und genau die beiden teilen hier aus. Das ist gewagt. Also der hat die Faust oben im Gesicht von Schweinsteiger. Der nächste der Glück hat. Absolut ne gelbe Karte. Sogar ein Schlag von Aguero. Schlägt ihm da voll ins Gesicht. Und, also einer von beiden hätte gehen dürfen. Und aus meiner Sicht er (Aguero) in erster Linie. Wer so reinspringt hier, gegen Schweinsteiger, dem er sogar .. einen Cut schlägt unter dem Auge. Also ist wirklich ne gelbe Karte. Und aus deutscher Sicht sehr sehr schade. Ich will nicht sagen es ist ein Skandal, aber der Schiedsrichter hat das offensichtlich nicht so gut gesehen wie wir, nach ein paar Zeitlupen. Aber das nicht zu erkennen ist bitter, und gibt der Gesamtleistung von Rizzoli jetzt wirklich ne schlechte Note.“

 

111. Minute Den anschließenden Freistoß tritt Toni Kroos in den argentinischen Strafraum, wo Thomas Müller und Demichelis mit den Köpfen zusammenprallen. Kein Foul, aber Rizzoli pfeifft Freistoß für Argentinien.

Bartels: “Aber die Aktion vorher, das ist einfach richtig ärgerlich, dass das nicht geahndet worden ist. Und jetzt spielt Deutschland mit einem Mann weniger, weil Schweinsteiger draußen liegt, und nicht Argentinien, wie es richtig gewesen wäre, nach gelb-rot für Aguero.“

 

112. Minute Palacio hält Philipp Lahm am Trikot. Ein klares taktisches Foul und mit gelb zu bewerten. Die gesamte deutsche Bank springt auf, sicher noch emotionalisiert unter dem Eindruck der Verletzung von Schweinsteiger. Statt Palacio mit gelb zu verwarnen, ermahnt Rizzoli die deutsche Bank zur Ruhe und weist die Spieler und Betreuer energisch an, sich wieder zu setzen.

Bartels: „Also an Leidenschaft und Engagement wird es hier nicht scheitern. Die sind lebhaft. Aber das ist ein taktisches Foul auch von Palacio. Er hat die Hand am Trikot. Es ist zu ahnden. Oft genug drüber gesprochen worden. Jetzt wollen wir nicht auf jeder Szene rumhacken, aber Rizzoli hat leider leider, seine gute Linie verloren.“ Korrekt Tom Bartels, irgendwo zwischen der vierten und fünften Minute der regulären Spielzeit.

 

124. Minute Mario Götze wird beim Rausschlagen des Balls gefoult. Rizzoli lässt weiterlaufen. Direkt im Anschluss wird Schweinsteiger wird per Bodycheck zu Boden gestoßen.

Bartels: “Schweinsteiger, brutal angegangen. Wie lange geht das noch so weiter in der Endlosschleife der Kampftangente?“

 

Schlusspfiff Rizzoli hat spätestens in der zweiten Halbzeit der Verlängerung jede Linie verloren. Mascherano, Aguero und Palacio hätten zwingend die gelbe Karte sehen müssen. Für Mascherano und Aguero wäre das gelb-rot gewesen. Bei Letzterem hätte man sogar über eine glatte rote Karte nachdenken können. Rizzoli hat Glück, dass Deutschland dieses Spiel gewinnt. Als Gesamtnote für seine Spielleitung kann dem Italiener mit viel gutem Willen eine 4-  gegeben werden. Für die FIFA war das Schiedsrichtergespann vermutlich sehr gut, da sich Rizzoli genau auf dem Niveau bewegte, das bei der WM in Brasilien von den Schiedsrichter gezeigt wurde.

 

Allein auf weiter Flur

Die Beurteilung der Schiedsrichterleistung durch Tom Bartels ist auf den ersten Blick ein Rätsel. Bei genauerer Betrachtung wird aber klar, dass Bartels vermutlich gar nicht anders konnte. Er hatte niemanden, der ihn auf Fehleinschätzungen hinweisen konnte, oder der einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen auf dem Platz hatte. Das ist kein Vorwurf an Bartels. Das Problem ist hausgemacht und tritt, mehr oder weniger stark, bei allen Spielen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu Tage.

Ein Kommentator hat es im Stadion nicht immer einfach. Der Blick geht aufs Spielfeld, auf die Monitore, an die Seitenlinie, auf die Tribünen. Nicht immer hat er die entscheidende Szene sofort im Blick. Ein Kommentator war auch eher selten Profifußballer, und kann im Zweifel nicht genau bewerten, welche Aktion absichtlich, unglücklich oder zufällig erfolgte.

 

Ein Experte als Hilfe für den Kommentator

Für diese Fälle kann ein Experte hinzugezogen werden. Das kann ein ehemaliger Spieler sein, das kann ein Schiedsrichter sein, das kann sogar im Zweifel sogar mehr als eine Person sein. ARD und ZDF haben diese Experten. Allerdings erst nach dem Spiel. Dabei wären diese Experten genau richtig dafür, während des Spiels dass, was auf dem Rasen passiert, zu kommentieren. Da kann eine Szene aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Meinungen beleuchtet werden. So guckt Tom Bartels auf den Flitzer und der TV-Zuschauer fragt sich, welches Spiel er eigentlich kommentiert.

 

Ehemalige Nationalspieler und Trainer gibt es genug

Lothar Matthäus ist ein anerkannter Fußballexperte. Losgelöst von seinem mehr oder weniger schillernden Boulevardleben, ist er einer der besten Analytiker im internationalen Fußball. Michael Ballack arbeitet bei ESPN in Amerika, Patrick Owomoyela und Christoph Metzelder leisten bei Sky hervorragende Arbeit, Thomas Berthold sitzt bei Eurosport auf dem Expertenstuhl. Die ARD hatte Thomas Helmer im Sportschauclub, Thomas Strunz war bei Markus Lanz zu Gast. Ist es so schwer einen dieser Experten als Co-Kommentator zu installieren?

 

Warum nicht mal zwei Kommentatoren?

Und wenn es kein ehemaliger Spieler sein soll, warum dann nicht ein Kollege aus dem Sender? Im Rundfunk geht das doch auch, da gibt es ein Duo und keinen einzelnen Kommentator. Kann sich einer der Reporter, die nach dem Spiel die Interviews führen, nicht bis fünf Minuten vor Ende mit auf die Tribüne setzen? Oder warum gibt man den Redakteuren, die nach den Spielen die Nachberichte verfassen, nicht die Möglichkeit, gleich während des Spiels zu helfen?

Die Duos die nach dem Spiel für ARD und ZDF analysieren leben davon, dass sie sich im gegenseitigen Wechselspiel die verbalen Bälle zuspielen. Diese Dynamik fehlt bei einem einzelnen Kommentator vollkommen. Es müssen nicht permanent zwei Kommentatoren reden, aber für einzelne Hinweise und Erklärungen ist eine zweite Stimme dringend notwendig.

 

Experten am Mikrofon – In anderen Ländern längst Standard

Fast wirkt es so, als habe man bei ARD und ZDF Angst davor, den aktuellen Kommentatoren etwas wegzunehmen, wenn man Ihnen einen Partner an die Seite geben würde. Wer einmal die Finalspiele der NBA in den USA verfolgt hat, der weiß, dass dies nicht der Fall ist. Dort kommentiert ein etatmäßiger Kommentator mit zwei Experten, Trainer oder Spieler. Die drei ergänzen sich reibungslos. Es verliert keiner an Macht, sondern der Zuschauer gewinnt an Service und Unterhaltung.

Am Ende der Übertragung des WM Finales aus Rio bleibt ein Abend mit zwei überforderten “Aktiven”. Der eine leitete das Spiel, der andere musste es kommentieren.

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6 Comments

Tim Domscho

about 7 Jahren ago

Sehr gut analysiert Lars_Mah (Daumen hoch)

Antworten

Don Fabiano

about 7 Jahren ago

Schade. Von der Schlagzeile und vom Fazit her genau meine Meinung, schon länger (WM-Finale '90 mit Rubi & Kalle als leuchtendes Beispiel). Trotzdem in der Aufdröselung leider zuviel "argentinisches Spiel" (d.h. Rumgehacke) auf Bartels' einzelnen Worten. Richtige Kritik an seinen falschen/zu laschen Kommentaren, aber kein Lob bzw. nur vergiftet an seinen richtigen Kommentare ("Korrekt Tom Bartels, irgendwo zwischen der vierten und fünften Minute der regulären Spielzeit."). Deshalb bisschen verschenkt, ich würde sagen noch eine 3 ;-)

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Fedo

about 7 Jahren ago

Wirklich super, dass du dir stundenlang Zeit nimmst, um so einen Müll zu verfassen! Du kritisierst einen der besten Kommentatoren in Deutschland und den einen der besten Schiedsrichter der Welt, warum schreibst du nicht über die positiven Dinge der beiden? Das, was du hier aus deinem Hirn gezogen hast ist, ist arrogant und nicht objektiv. Ein Beispiel: Die Aktion von Garay, bei der sich Kramer verletzt hat, war rotwürdig? Was ist denn mit der Aktion von Höwedes an der Mittellinie gegen Lavezzis Bein? Das ist rotwürdig! Weil aber Rizzoli nicht wie andere Schiedsrichter sich als Protagonist in den Mittelpunkt stellen will, belässt er es bei einer gelben Karte und einer strengen Ermahnung. Wenn er wie du forderst, alles richtig macht und streng ist, gibts deinen Artikel hier gar nicht und Deutschland versinkt in eine tiefe Depression. Daher bitte ich dich, schau kein Fussball mehr und schreib ab heute über die Antarktis-Forschung; da kennst du dich bestimmt genauso wenig aus, aber irgendwo musst du ja deinen Müll hinschreiben!

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Lars.Mah

about 7 Jahren ago

Hallo Fedora, Schön, dass du den Artikel gelesen hast. Anscheinend aber nicht aufmerksam genug. Bei der Szene mit Kramer steht: "könnte die rote Karte gezogen werden." Weiter steht da: "die Elfmeterszene schwer erkennbar war." Ansonsten bleibe ich bei meiner Aussage: Rizzoli hat am Anfang alles laufen lassen, dann erstmal nur die deutschen Spieler verwarnt. Nachdem er zwischenzeitlich die Argentinier auch verwarnt hat, war die Verlängerung einfach nur schlecht. Die Tatsache, dass er sich nicht in den Mittelpunkt stellen wollte, heißt nicht, dass er keine roten oder gelb-roten Karten verteilen durfte. Ein Schiedsrichter der die Regeln nicht anwendet steht genauso im Mittelpunkt, wie einer der sie überzogen anwendet. Man stelle sich vor Götze macht das Tor nicht, und Aguero oder Mascherano schießen Argentinien zum Titel. War Rizzoli dann gut, weil er keine Karten verteilt hat? Und Tom Bartels ist nicht das Problem. Das hätte mit jedem anderen Kommentator auch passieren können. Vier Augen sehen mehr als zwei.

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Cimosa

about 7 Jahren ago

“One-Man-Horror-Show” von Bartels??? Dies ist vll. das was du gerne gesehen hättest, weil du Tom Bartels nicht besonders zu mögen scheinst und nur allzu gerne auf den Kommentatoren-Bashing-Zug aufspringst. Hättest du das Finale aber nicht ganz so voreingenommen verfolgt, wäre dir vll. aufgefallen das der "böse" Tom praktisch in jeder Szene, zumindest nach der Wdh., richtig lag bzw. man die Szene durchaus so bewerten konnte. Z. B. konntest selbst du Tom Bartels in der 1. HZ keinen einzigen objektiven Fehler "nachweisen" so sehr du es auch versucht hast. -> Folgerichtig natürlich der Titel: “One-Man-Horror-Show”. Fragt sich nur von wem... ;-)

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Lars.Mah

about 7 Jahren ago

Hallo Cimosa, Bartels beurteilt einige Zweikämpfe richtig, stellt dann aber nicht fest, dass Rizzoli das eben nicht macht. DAS fehlt bei seinen Kommentaren. Wenn er z.B. selber der Meinung ist, es hätte Elfmeter usw. geben müssen, wie kann dann die Leistung von Rizzoli gut sein? Wie ich geschrieben habe, sind z.B. die gelben Karten für die deutschen Spieler in Ordnung. Aber nur, wenn der gleiche Maßstab bei Argentinien auch gilt. Aber das hat er eben nicht. Und das wird von Bartels nicht erwähnt.

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